Gewerbesteuerhebesatz - Einfach erklärt!

Der Gewerbesteuerhebesatz – elementar für deine Gewerbesteuer

Einzelunternehmer und Kapitalgesellschaften sind zur Zahlung von Gewerbesteuern verpflichtet. Doch diese unterscheidet sich von Ort zu Ort. Darum gibt es je nach Gemeinde des Gewerbes einen konkreten Hebesatz, durch den sich die Steuer berechnen lässt. Doch warum genau gibt es für die Gewerbesteuer unterschiedliche Hebesätze und wie unterscheiden sie sich? In diesem Beitrag zeigen wir dir, was es mit deinem Gewerbesteuerhebesatz im Detail auf sich hat.

Inhaltsangabe

  1. In welchen Fällen handelt es sich um einen Gewerbebetrieb?
  2. Wer kassiert die Gewerbesteuer der Betriebe?
  3. So unterscheiden sich die Hebesätze
  4. Ein paar Beispiele zum Hebesatz in Großstädten
  5. Wichtige Details zum Gewerbesteuerhebesatz

In welchen Fällen handelt es sich um einen Gewerbebetrieb?

Sobald sich ein Unternehmen wirtschaftlich betätigt, handelt es sich im konkreten Sinne um einen Gewerbebetrieb. Eine Ausnahme stellen freiberuflich tätige Einzelpersonen und Unternehmen dar. Für diese gilt der lokale Hebesatz nicht, da Freiberufler grundsätzlich steuerbefreit sind. Anders verhält sich dies wiederum bei einer gewerblichen Nebentätigkeit. Sollte diese vom gleichen Unternehmen ausgeführt werden, kann die Gewerbesteuer zusätzlich eingefordert werden.

Für die konkrete Berechnung geht es allein nach dem Gewerbeertrag. Um kleine Betriebe zu schützen, wird die Gewerbesteuer lediglich auf jeden verdienten Euro bezogen, der über den Einnahmen von 24.500 € am Jahresende liegt. Dadurch werden schwächelnde Betriebe nicht steuerlich überlastet und können ein Konzept für das Entkommen aus der Krise zusammenstellen. Auf diese Weise orientiert sich der Hebesatz rund um die Gewerbesteuer nur an hohen Erträgen.

Wer kassiert die Gewerbesteuer der Betriebe?

Wie bereits erwähnt, müssen Unternehmen ihr Gewerbe versteuern. Hierbei handelt es sich um die wohl wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden, die sich nicht auf die Anzahl der Personen, sondern allein auf den lokalen Standort bezieht. Hierbei ist es irrelevant, ob es sich um eine juristische Person oder um ein konkretes Einzelunternehmen handelt. Die bezahlte Gewerbesteuer steht anschließend deiner Gemeinde zur Verfügung und dient als Abgabe für die Infrastruktur im Raum.

Da die Gewerbesteuer direkt an die lokalen Gemeinden fließt, werden durch sie verschiedene Projekte in deiner Region gefördert. Die Steuer ist hierzu eine der wichtigsten Einkommensquellen, um wichtige Instandsetzungen oder Bauprojekte lokal durchzuführen. Hierzu gehört zum Beispiel die Sanierung von Straßen, die als wichtiges infrastrukturelles Merkmal für die Unternehmen gelten.

So unterscheiden sich die Hebesätze

Jede Gemeinde entscheidet eigenständig über die Festlegung des individuellen Hebesatzes. Auch die jährliche Anpassung des Hebesatzes ist hierbei durchaus möglich, um beispielsweise mehr Betriebe in eine bisher wirtschaftlich schwächere Region zu locken. Seit 2004 gibt es durch den Gesetzgeber die Festlegung, dass der Gewerbesteuerhebesatz mindestens 200 % betragen muss. Dies war die Folge des stetigen Konkurrenzkampfs der Gemeinden, die den Hebesatz stetig senkten.

Der höchste Hebesatz wurde hingegen 2016 in der Gemeinde Dierfeld in Rheinland-Pfalz festgelegt. Er beträgt 900 %, was in der Gemeinde mit nur 12 Einwohnern wohl in der Praxis nicht zu Änderungen im Betriebsverhalten führen wird. Da etwa die Hälfte des gesamten Steueraufkommens der Gemeinden allerdings aus der Gewerbesteuer stammt, ist eine intelligente und durchdachte Anpassung des Hebesatzes vor allem für große Städte entscheidend.

Ein paar Beispiele zum Hebesatz in Großstädten

Wenn du selbst darüber nachdenkst, ein Gewerbe zu gründen, kann der Gewerbesteuerhebesatz durchaus Einfluss auf deine Entscheidung nehmen. Wir zeigen dir in unserer Liste daher die 2020er Hebesätze für die 10 größten Städte Deutschlands, um dir eine gute Basis für deine steuerliche Berechnung zu schaffen. Umso niedriger der Hebesatz ausfällt, desto geringer ist auch die Steuer.

  • Berlin – 410 %
  • Hamburg – 470 %
  • München – 490 %
  • Köln – 475 %
  • Frankfurt am Main – 460 %
  • Stuttgart – 420 %
  • Düsseldorf – 440 %
  • Dortmund – 485 %
  • Leipzig – 460 %
  • Essen – 480 %

Auch wenn der Hebesatz auf den ersten Blick nicht sehr weit auseinanderliegt, können selbst kleine Unterschiede bereits eine große Wirkung entfalten. Die Berechnung des Hebesatzes mit dem Steuermessbetrag (Gewerbeertrag x Steuermesszahl 3,5) zeigt, dass der Prozentsatz weitreichende Auswirkungen auf die zu zahlende Gewerbesteuer haben kann.

Die Steuermesszahl ist an dieser Stelle eine einfache Rechenkomponente, die für jede Berechnung herangezogen wird. Daher ist der Steuermessbetrag lediglich vom Gewerbeertrag abhängig und unterscheidet sich je nach Erfolg des Betriebs. Für unser Rechenbeispiel nutzen wir ein Einzelunternehmen mit 500.000 € Gewerbeertrag. Hiervon muss zunächst der Freibetrag in Höhe von 24.500 € abgezogen werden, wodurch ein Ertrag von 475.500 € verbleibt.

Rechenbeispiel Berlin: (475.500 € x 0,035) x 410 % = 68.232,20 € Gewerbesteuer

Rechenbeispiel München: (475.500 x 0,035) x 490 % = 81.545,80 € Gewerbesteuer

Allein am Beispiel Berlin / München zeigt sich, dass bei einem 80 % abweichenden Hebesatz für den Gewerbeertrag von 500.000 € mehr als 13.000 € Gewerbesteuer mehr zu bezahlen sind. Bei größeren Betrieben und Kapitalgesellschaften fällt dieser Unterschied sogar noch deutlicher aus, weshalb besonders bei exakt durchkalkulierten Projekten auf den Gewerbesteuerhebesatz zu achten ist. Umso kleiner der Ertrag ausfällt, desto weniger bedeutsam sind die Hebesätze für dich.

Wichtige Details zum Gewerbesteuerhebesatz

Solltest du eine Kapitalgesellschaft führen, wird die Gewerbesteuer auf die gesamten Einnahmen bezogen. Dadurch entfällt die Freigrenze von 24.500 €. Ähnliches gilt für rechtsfähige Vereine. Zwar entfällt die Freigrenze hier nicht vollständig, sie beträgt jedoch nur 5.000 €. Daher ist es sinnvoll, die vorhandenen Kosten für die Gewerbesteuer vor einer Gründung zu berechnen und sich auf die möglichen Zusatzbelastungen einzustellen. Falls du freiberuflich aktiv bist, gilt dies natürlich nicht für dich. Achte jedoch darauf, dass du für zusätzliche Einkünfte aus gewerblichen Tätigkeiten schnell selbst gewerbesteuerpflichtig wirst. Lass dich daher möglichst detailliert steuerlich beraten.

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verfasst von
Hendrik Kehres
Hendrik ist ein Experte im Bereich Online Marketing & SEO. Hier gibt er Tipps rund um Finanzen, Buchhaltung und Gründung für Selbständige und all die, die noch in der Planungsphase stecken.